Hans ist tot! – Ein Nachruf

Hans Cordshagen

Hans Cordshagen ist am Sonntag, 8. Mai 2016, im Alter von 72 Jahren gestorben. Er gehörte zu den Pionieren der Gemeindepsychiatrie in Schleswig-Holstein.

Seinen beruflichen Tätigkeitsschwerpunkt hatte er bei der Arbeitsgemeinschaft Brücke (späterhin Brücke Schleswig-Holstein) im Aufbau gemeindepsychiatrischer Hilfen im Kreis Dithmarschen. Dort blieb er bis zu seinem beruflichen Ausscheiden vor sieben Jahren als Regionalleiter tätig – unterbrochen von einer zweijährigen Tätigkeit als psychologischer Berater für den gesamten psychosozialen Bereich der Brücke SH.

Jetzt mit seinem Tod werden viele, die ihn kannten, sich Situationen mit ihm vergegenwärtigen, Bilder vor dem inneren Auge erstehen lassen, seine Stimme an das innere Ohr führen und vor allem nachspüren, wie es war in den Begegnungen mit Hans. Wer war Hans? Was bedeutete er uns?

Dies zu fassen ist natürlich nicht möglich und soll auch gar nicht erst versucht werden. Möglich erscheint lediglich eine subjektive Annäherung an unseren Weggefährten Hans Cordshagen:

Hans kam zu uns als junger, uns damals aber schon reifer erscheinender Mensch, der zutiefst durchdrungen war von der sozialpsychiatrischen Idee. Seine sozialpsychiatrische Prägung hatte er in der psychiatrischen Klinik Häcklingen erhalten, einer der damaligen Hochburgen der Psychiatriereform und des damit verbundenen neuen Denkens. Obwohl diplomierter Psychologe war ihm seine vorherige Profession als Sozialarbeiter näher. Er suchte den direkten Kontakt im Alltag, in den Lebenswelten der Menschen. Mit großer Selbstverständlichkeit und Eindeutigkeit gestaltete er die regionale Versorgung im Kreis Dithmarschen und orientierte sich dabei vor allem an den vernachlässigten chronisch kranken Bürgern und Bürgerinnen, die langzeit außerhalb des Kreises untergebracht waren. Sie zurückzuholen in ihre angestammte Heimatgemeinde und somit auch in die kommunale Verantwortung war ihm eine Herzensangelegenheit. Er war beharrlich und kompromisslos in der Sache und gleichzeitig diplomatisch, sensibel, achtsam und wertschätzend im Umgang mit den Anderen.

Er machte sich einen Namen weit über die Kreisgrenzen hinaus: Er war Vorsitzender des Landesverbandes der Deutschen Gesellschaft Soziale Psychiatrie, wirkte mit im Fachausschuss Heime der Bundes-DGSP, war Begründer verschiedenster Initiativen für Menschen mit psychischen Erkrankungen, so z.B. dem Bündnis gegen Depression, vertrat den Paritätischen auf Kreisebene, engagierte sich für und in der landesweiten Beschwerdestelle, war Gründungsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, die sich um die Wiedergutmachung der Gräueltaten des Nazi-Regimes an psychisch kranken Polinnen und Polen bemühte und, und, undů . An vielen Stellen hat Hans Spuren hinterlassen, neue Räume geschaffen und Position bezogen. Vor allem aber war er auch Mentor, Inspirator und Freund. Viele Menschen profitierten von seinem breiten Fachwissen, wurden angestoßen, inspiriert, bisweilen auch konfrontiert mit einer unerschütterlichen Festigkeit im Glauben an Gerechtigkeit und Humanität. Diese war gepaart mit dem Mut, sich zu bekennen und nötigenfalls auch anzuecken. Er war bisweilen unbequem in seinen Fragen, im positivsten Sinne „eigensinnig“ und gleichzeitig zutiefst empathisch für die Erschütterungen und Nöte Anderer. Er brachte aber auch viel Leichtigkeit und feinsinnigen Humor in die Debatten und wer von den „Alten“ in der Brücke Schleswig-Holstein erinnert sich nicht an seinen selbstvergessenen, fast traumhaft erscheinenden Balanceakt als Clown im Rahmen einer der internen Tagungen. Diejenigen, die ihn auch als kollegialen Freund erfahren durften, begegneten einem großherzigen Menschen, der über die Fähigkeit verfügte, wirklich zuhören zu können und der da war, wenn man ihn brauchte. Hans war jemand, der sich nicht nur gegen die psychiatrischen Mauern stemmte, sondern auch „Gegen die Mauern in unseren Köpfen“ – so der Titel seiner Arbeitsgruppe im Rahmen der ersten Sozialpsychiatrischen Fachtagung in Schleswig-Holstein.

Mit Hans hat uns ein großartiger Mensch verlassen.

Wir sind sehr traurig.

Der Vorstand der DGSP-Landesverband Schleswig-Holstein

Christel Achberger    Bernd Prezewowsky
Udo Spiegelberg       René Skischally